Die Wochenendrebellen in MG: ein lehrreicher und sehr kurzweiliger Abend

Die Lesung der beiden Autoren aus ihrem Buch „Wir Wochenendrebellen“ fand am 17. April 2019 in der VIP-Lounge des Borussiaparks in Mönchengladbach statt.

Direkt zu Beginn wurde dem erstaunten Publikum jede Hoffnung auf einen kurzen Vortrag genommen. „Unser Rekord liegt derzeit bei 4 Stunden und 45 Minuten. Vielleicht schaffen wir heute diesen Rekord zu knacken!“ kündigte uns der dreizehnjährige Jason an.

Wer nun aber glaubt, der Abend habe sich endlos in die Länge gezogen, der irrte. Es war jede Sekunde spannend und ermöglichte dem Publikum im ausverkauften Bökelberg-Saal tiefe Einblicke in die Denkstrukturen eines Jugendlichen aus dem Autismus Spektrum.

Mindestens genauso spannend war es vom Vater Mirco zu erfahren, wie er persönlich und das ganze Familiensystem lernen konnten – und mussten – mit diesen sehr speziellen Verhaltensweisen umzugehen. Hoch interessant war es Vater und Sohn auf der Bühne live und in Farbe in Interaktion zu erleben. „Soll ich die Überschrift mitlesen?“ „Nein, aber das müssen wir erstmal ausdiskutieren.“ Solch eine Diskussion konnte dann schon mal einige Minuten dauern.

Auch das Publikum durfte hautnah erfahren, was es bedeuten kann, sich mit einem solch außergewöhnlichen Jugendlichen einzulassen. Es gab Abstimmungen nach Jasons strengen Regelwerk! Wehe einer senkte den Arm zu früh oder beteiligte sich gar nicht an der Abstimmung.

Nebenbei konnte auch herzhaft über den einen oder anderen Fußball-Gag gelacht werden. Etwa darüber, dass Jason lieber zu einem Spiel des SV Ahlen reisen wollte als zum Champions League Finale nach Istanbul. Er hat eben strenge Regeln – und Fliegen kommt aus ökologischer Sicht nicht in Frage. Die Anreise zu den Spielen erfolgt grundsätzlich mit der Bahn, am liebsten im Schlafwagen.

Neben seiner Suche nach einem Verein, dessen Fan er werden möchte, ist Jason aber auch bereits naturwissenschaftlich unterwegs. Er gewann den Landeswettbewerb in Physik mit seinen Arbeiten zur Chaostheorie und ist sehr enttäuscht, dass es für Dreizehnjährige keinen Bundeswettbewerb gibt. In der Fragerunde nach der Lesung antwortete er auf die Frage, welcher Beruf ihn interessieren würde mit: theoretischer Astrophysiker.

Leider kommt „unsere Borussia“ schon aus mehreren Gründen nicht als Verein für Jason in Frage. Wir haben ein Maskottchen (den „Jünter)“ und es gibt einen Spielerkreis vor dem Anpfiff. Aber Vater und Sohn versprachen, sich nochmal ein Bild von Borussia Mönchengladbach zu machen. Das lässt noch hoffen!

 

Text: Heide Bauer

Bild: Sandra Breitschwerdt